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Yoga Asanas – so viel mehr als Sport

Februar 17, 2022

Kobra, Pfau, Kamel und Taube – könnte auch ein Spaziergang im Zoo sein. Im Yoga haben viele Körperstellungen, auch Asanas genannt, Tiernamen und wenn man genau hinschaut, ähneln sie diesen auch. Neben der Assoziation zu Tieren, bringen die Meisten den Begriff Asana mit den Körperübungen in Verbindung. Auch ich habe es immer mit den aktiven und körperlichen Elementen im Yoga verbunden. Wie sieht es bei dir aus?

Grundsätzlich ist diese Assoziation auch richtig. Von der Wurzel her kommt Asana jedoch aus dem Sanskrit von „as“ und bedeutet so viel wie „sitzen“. Es steht also auch für „Verbindung zur Erde“ – um durch eine gesunde Erdung Selbstbewusstsein, Stabilität, aber auch Leichtigkeit zu gewinnen.

Gemäß Jahrtausende alter Schriften gibt es so viele Körperstellungen, wie es Lebewesen in diesem Universum gibt – mehr als 8.400.000 soll es geben. Vielleicht einer der Gründe, warum es so zahlreiche Asanas mit Tiernamen gibt.

Heilwirkung der Körperübungen

Ich könnte diesen Artikel nun seitenlang ausschmücken, weil die Heilwirkungen und Vorteile der Asanas unwahrscheinlich vielfältig sind. Vor allem bauen sie Muskulatur auf und halten die Muskeln geschmeidig. Die Wirbelsäule wird und bleibt elastisch, geistige Fähigkeiten werden verbessert und die Lungenkapazität gesteigert. Auch auf organischer Ebene entfalten Asanas ihre Wirkung – sie stärken die inneren Organe und schenken Langlebigkeit. Das Blut wird stark mit Sauerstoff angereichert und die Anhäufung von venösem Blut verringert. Energien werden freigesetzt und im Körper verteilt. Die Gehirnzentren und das Rückenmark werden gestärkt, belebt und ausgeglichen. So wird das Gedächtnis verbessert und der Verstand geschärft. Intuition entwickelt sich.

Durch die Praxis der Asanas festigt sich das Gleichgewicht im Körper – was auch für geistige Ausgeglichenheit sorgt. Ein ganz elementarer Punkt ist aber auch, dass die Körperübungen maßgeblich zur Entspannung des Körpers beitragen und nervliche Anspannungen aufgelöst werden können. Dies resultiert aus dem ersten physiologischen Entspannungsgesetz. Ein Muskel der mindestens 5 besser 10 Sekunden aktiv angespannt wird, kann im Anschluss tiefer und besser entspannen. Also durch aktive Anspannung wird eine effektive und nachhaltige Entspannung im Körper bewirkt.

Du praktiziert Asanas also nicht nur, um deine Muskulatur zu stärken, auch wenn das für Viele die initiale Motivation ist, Yoga zu praktizieren. Aber Muskeln bedeuten nicht gleich Gesundheit. Eine gesunde und harmonische Funktion deines gesamten Systems ist von Nöten, um ganzheitlich gesund zu bleiben. Das ist es, was du brauchst, um dich gut zu fühlen und was du über das regelmäßige Üben von Yoga Asanas bekommst.

Asanas vs. Sportübungen

Normale Sportübungen entwickeln die oberflächlichen Muskeln des Körpers. Sie treiben das Prana – die Lebensenergien – nach außen. Asanas hingegen stärken die Tiefenmuskulatur und stimulieren, harmonisieren und stärken gleichzeitig deine inneren Organe, dein Nervensystem, wichtige Hormondrüsen, deinen Geist und dein ganzes restliches System. Sie treiben das Prana nach innen und verteilen es gleichmäßig im Körper. Somit gleichen sie dich mit all den Schichten deines Wesens aus und schenken dir seelisches Gleichgewicht. Sie helfen bei der Beherrschung der Emotionen und bringen dir einen spirituellen Nutzen.

Wenn du fünf Jahre lang täglich fünfzig Klimmzüge machst, wird dir das wahrscheinlich nicht dabei helfen, dein Körper zu harmonisieren, dich mental weiter zu entwickeln und dich auch nicht emotional ausgeglichener machen. Übst du fünf Jahre täglich Yoga, wird das sehr viel mehr verändern. Das verspreche ich dir!!!

Yoga Asanas – so viel mehr als Sport

Arten von Asanas

Asanas können in verschiedene Gruppen/Arten eingeteilt werden. Mindestens eine Variante aus der jeweiligen Gruppe sollte in jeder Yogastunde und auch in deiner Praxis zu Hause vorkommen. In Lehrbüchern wird von fünf Gruppen gesprochen, ich persönlich füge noch eine sechste Gruppe hinzu und unterrichte diese auch in jeder meiner Yogastunden.

  1. Umkehrstellungen (z.B. Kopfstand oder Schulterstand)
  2. Vorwärtsbeugen (z.B. stehende Vorwärtsbeuge)
  3. Rückbeugen (z.B. Kobra, Bogen)
  4. Seitwärtsbeugen (z.B. Dreieck)
  5. Drehübungen (z.B. Drehsitz)

 

  1. Gleichgewichtsübungen (z.B. Baum)

Wer kann Asanas üben?

Asanas sind für jeden geeignet, vollkommen unabhängig von Alter, Geschlecht und aktueller Fitness. Jeder beginnt seine Reise genau an dem Punkt, an dem er gerade ist.

Die Vielzahl an Übungen im Yoga bietet jedem die Möglichkeit selbst herauszufinden und zu entscheiden, wie weit er oder sie mit der Asana Praxis und Yoga im Allgemeinen gehen möchte. Wer ein „wenig“ entspannen und fitter werden möchte, kann dies mit relativ wenig Zeitaufwand erreichen. Auch diejenigen, die „nur“ ein wenig Yoga praktizieren, können einige der wunderbaren Wirkungen von Yoga erfahren.

Wer weiter gehen möchte, kann durch fortgeschrittene und intensive Praxis tiefe Erfahrungen machen und schlafende Fähigkeiten wecken. Ein geduldiges systematisches Training ist dafür nötig, um zum gewünschten Ziel zu kommen. Denn, wie es mein Ausbilder und langjähriger Yoga Lehrer so schön formuliert hat „Yoga ist keine magische Pille.“ Es ist vielmehr der Weg der Erfahrung. Je intensiver praktiziert wird, desto intensiver sind die wunderbaren Wirkungen von Yoga.

Asana im spirituellen Kontext

Asana ist eine der bekanntesten Stufen des achtgliedrigen Pfad des Yoga. Jeder der acht Teile dieses Pfades besteht aus verschiedenen konkreten, praktischen und auch heute noch sehr lebensnahen Vorgehens- und Verhaltensweisen. Sie sind voneinander abhängig und bedingen sich gegenseitig, bauen aufeinander auf, ergänzen sich und bilden eine Einheit.

Die Asanas beschreiben den Umgang mit dem Körper. Ziel ist es nach und nach die einzelnen Stufen des achtgliedrigen Pfads zu beschreiten und final Erleuchtung zu erfahren. Um Erleuchtung in der Meditation zu erfahren braucht es die Asanas als körperliche Vorbereitung. Ein stabiler ausgeglichener Körper, ermöglicht ein langes, festes und bequemes Sitzen. Da alle weiteren Stufen des achtgliedrigen Pfads im Sitzen erreicht werden, muss die körperliche Ebene soweit gestärkt sein, um für eine ausreichend lange Zeit aufrecht und gerade sitzen zu können. Allerdings wirken die Asnana neben der körperlichen Ebene auch auf allen anderen Ebenen – geistig (verbessert die Konzentrations- und Merkfähigkeit), energetisch (öffnet Nadis, die feinstofflichen Energiekanäle und regt Energiezentren an), emotional (Ausgleich) und auch seelisch.

Asanas in der Praxis

Viele Menschen finden ihren Zugang zum Yoga über Vinyasa Flows, also eine bewegte/dynamische Abfolge von Asanas, die in Verbindung mit der Atmung praktiziert werden. Im traditionellen Hatha Yoga werden die Asanas isometrisch (ruhig) gehalten. Auf den ersten Blick hat dies etwas Statisches. Ich finde allerdings, dass Asanas, auch wenn sie ruhig gehalten werden, sehr wohl stetige Bewegung sind – Bewegung in Ruhe. Denn Leben ist Bewegung und selbst wenn wir ruhig liegen, sitzen, schlafen oder eben ruhig Asanas halten, sind wir in Bewegung. Unser Atem ist in einem ständigen Fluss und somit auch die Energien in unserem Körper.

Durch gezielte Atemübungen (Pranayama), welche die nächste Stufe des achtgliedrigen Pfads des Yoga ausmachen, können starke Kräfte freigesetzt werden. Auf diese Kräfte oder auch diese freigesetzte Energie, muss der Körper vorbereitet sein. Asanas reinigen und stärken also den Körper für deine weitere Reise. Werden sie mit Achtsamkeit ausgeführt, können sie auch eine Form der Meditation sein – besonders wenn sie lange und ruhig gehalten werden.

Mein Fazit

Als Asana werden die Körperübungen im Yoga bezeichnet. Allerdings sind sie nicht nur die reinen physischen Übungen, denn die Wirkung ihrer Praxis geht weit über diese hinaus. Ihre Heilwirkungen und die allgemeinen Vorteile der Asanas sind unwahrscheinlich vielfältig. Sie wirken auf alle Schichten deines Wesens und helfen dir schon einmal wöchentlich praktiziert viel zu verändern.

Und da spreche ich aus Erfahrung, denn das ist es was ich immer wieder in meinen Anfängerkursen zu hören bekomme. Nach der dritten/vierten Stunde bekomme ich meist die ersten Rückmeldungen, wie viel sich schon auf rein körperlicher Ebene verbessert hat und wie gut sich die Teilnehmer in ihrem alltäglichen Leben fühlen.

Also probiere es aus!!! Such dir einen Yogakurs in deiner Nähe oder melde dich bei mir, wenn du Interesse an einem meiner Kurse hast.

Yoga Asanas – so viel mehr als Sport

Mein bescheidenes Wissen zu diesem Artikel habe ich aus eigenen Erfahrungen, aus meiner 2-jährigen Yogalehrerausbildung nach den Lehren von Swami Sivananda, aus Gesprächen und aus Büchern.

Meine wichtigsten Quellen waren:

(1) Timothy McCall. 2007. YOGA AS MEDICINE

(2) Yoga Vidya. 2016. Das große Hatha Yoga Buch 

(3) Leslie Kaminoff & Amy Matthews. 2012. Yoga Anatomy

Om Sarva Santana Ki – Ein Gruß und Dank an alle großen Meister

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